Wechselrichter mit Netzvorrangschaltung: brauche ich das?

Wechselrichter mit Netzvorrangschaltung: brauche ich das?

4. August 2021 0 Von Frauke von Clever unterwegs

Wer vollkommen autark mit seinem Kastenwagen unterwegs sein will, braucht vielleicht einen Wechselrichter. Aber: braucht er auch einen Wechselrichter mit Netzvorrangschaltung? Ein paar Vorüberlegungen können viel Geld sparen.

Zuerst einmal müsst ihr euch die Frage stellen: Welche elektrischen Geräte betreibe ich überhaupt unterwegs? Sind es nur Smartphones, Tablets und vielleicht ein Laptop, reicht die 12-Volt Versorgung in der Regel aus. Manche Laptops allerdings mögen die 12-Volt-Bordelektronik nicht so gern und lassen sich mit einem 12-Volt-Ladegerät nicht laden. Vor allem Apple-Produkte leiden wohl unter diesem Phänomen.

Was will ich laden?

Ein Wechselrichter mit Netzvorrangschaltung ist für diese Geräte nicht erforderlich. Sie lassen sich einfach an der 12-Volt-Dose laden. Das geht entweder mit einem speziellen Ladegerät mit dem entsprechenden Stecker*. Oder ihr setzt auf die kleinen USB-Ladegeräte für die 12-Volt-Dose, an die ihr einfach euer ganz normales USB-Kabel anschließt. Ihr müsst bei dieser Lade-Art einfach nur etwas mehr Geduld haben als bei einem 220-Volt-Anschluss. Für viele Camper ist an dieser Stelle alles schon erledigt.

Für manch anderen geht jetzt aber erst die Suche los. Wer teure Foto- oder Filmausrüstung hat, Fahrradakkus laden, einen Fön, oder eine Kaffee-Kapselmaschine betreiben will, braucht entweder einen Landstrom-Anschluss. Oder es ist doch ein Wechselrichter fällig.

Empfindliche Geräte: nur mit reinem Sinus

Für empfindliche Geräte braucht ihr übrigens einen Wechselrichter, der eine reine Sinus-Welle* erzeugt. Solche Geräte sind aufwändiger und teurer als einfache Wechselrichter. Informiert euch genau über eure Geräte, denn sie können empfindliche Schäden nehmen, wenn sie mit dem falschen Gerät geladen werden.

Ich möchte hier gar keine Werbung für den Wechselrichter* machen. Ihr solltet euch erstmal überlegen, wie euer Reiseverhalten eigentlich ist. Wenn ihr sowieso alle paar Tage auf einem Camping- oder Stellplatz seid, könnt ihr doch einfach dort eure Geräte ganz bequem am Landstrom laden. Das kostet wenig, ist sicher und mit wenig Aufwand verbunden. Rasierer, Zahnbürste und andere Akku-betriebene Geräte halten ja ein paar Tage und sind auf diese Weise versorgt.

Wechselrichter selbst einbauen?

Kommen wir zum nächsten Fall: ihr seid eigentlich nie auf Camping- oder Stellplätzen oder ihr möchtet – genau wie wir – ab und zu einen Espresso unterwegs genießen. Stellt euch jetzt die Frage, wie viel euch dieser Luxus wert ist. Wenn ihr sagt, ja: dafür nehmen wir einige hundert Euro in die Hand, dann tut es. Vielleicht seid ihr technisch versiert und könnt euren Wechselrichter selbst einbauen.

Wenn nicht: Finger weg. Denn wenn Euer Camper abfackelt, weil da Kabel falsch dimensioniert oder falsch verlegt sind, ist das das gesparte Geld nicht wert. Aber nun zurück zur Frage, ob ihr eigentlich einen Wechselrichter mit Netzvorrangschaltung braucht.

Was ist eine Netzvorrangschaltung?

Der Wechselrichter mit Netzvorrangschaltung sorgt dafür, dass ihr an jeder Haushaltssteckdose in eurem Camper auch unterwegs Strom habt. Er wird also so an die Bordelektrik angeschlossen, dass alle Steckdosen an Bord mit ihm verbunden sind. Das bedeutet unterwegs maximalen Komfort. Egal an welcher Dose, ihr könnt überall Kaffeemaschine, Rasierer oder Fön anschließen, vorausgesetzt, eure Batterien haben noch ausreichend Strom.

Es gibt Wechselrichter mit und ohne integrierte Netzvorrangschaltung*. Wichtig ist natürlich auch, dass der Wechselrichter für eure Geräte ausreichend dimensioniert ist. Schaut euch also genau an, welchen Bedarf eure Geräte haben. Mehr ist im Zweifel mehr, denn ein zu klein dimensionierter Wechselrichter schaltet sich ab, wenn das Gerät zu viel Strom zieht.

So, jetzt fragt euch: brauche ich diesen Luxus? Wenn ja, braucht ihr auch den Wechselrichter mit Netzvorrangschaltung. Wenn nicht, könnt ihr auch einfach euren Wechselrichter direkt an die Batterie anschließen. Die Geräte, die ihr laden oder nutzen wollt, müsst ihr dann eben in die Nähe des Wechselrichters bringen und dort laden oder nutzen. Denn der Wechselrichter hat ja auch mindestens eine Steckdose, die man eben direkt dort nutzen kann.

Es geht auch ohne Netzvorrangschaltung

Wir haben uns gegen den Wechselrichter mit Netzvorrangschaltung entschieden, weil wir in erster Linie unsere Nespresso Maschine mit 220 Volt betreiben. Ab und zu laden wir – wenn es gar nicht anders geht – unsere E-Bike-Akkus dort oder einen Rasierer. Der Wechselrichter ist für uns reiner Luxus. Strom aus allen Dosen brauchen wir aber trotzdem nicht.

Es ist mal wieder wie so oft: manche Dinge braucht nicht jeder. Und bevor man viel Geld für Technik ausgibt, die sich hinterher als überflüssig erweist, lohnt es sich, erstmal auszuprobieren, ob es auch ohne geht.