Trenntoilette: Die Lösung für alle Sch**-Probleme?

Trenntoilette: Die Lösung für alle Sch**-Probleme?

19. August 2021 10 Von Frauke von Clever unterwegs

Die Chemie-Toilette ist beim Wohnmobil oft der limitierende Faktor. Ist sie voll, muss eine Entsorgungsstation her. Hersteller von Trenntoiletten oder Trockentoiletten versprechen, dass mit der Trenntoilette die echte Autarkie näher rückt. Wir stellen euch die wichtigsten Modelle vor.

Es ist kein schönes Thema: die Toilette. Keiner mag sie, jeder braucht sie. Denn der nächste Busch kann und soll keine Dauerlösung sein. In den meisten Wohnmobilen gibt es heute eine so genannte Chemie-Toilette. Platzhirsch bei diesem Produkt dürfte die Firma Thetford sein. Ebenso wie beim Wettbewerber Dometic gibt es unterschiedliche Bauformen für unterschiedliche Einsatzzwecke und je nach zur Verfügung stehendem Raum.

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So funktioniert die Chemie-Toilette

Das Prinzip ist aber immer das selbe: Fäkalien und Urin werden in einem verschließbaren Tank gesammelt, in dem ein chemisches Produkt dafür sorgt, dass es erstens nicht zu unangenehm riecht und zweitens der Inhalt so weit verflüssigt wird, dass man ihn am Ende einigermaßen stressfrei durch eine Art Rüssel ausgießen kann. Genau hier beginnt das Problem.

Denn dieser Inhalt darf nicht einfach – obwohl ja irgendwie organisch – in die Natur gelangen. Der chemische Zusatz ist nicht wirklich umweltfreundlich und kann sogar im Klärwerk zu Problemen führen. Leider verzögert er den Gärungsprozess. Kommt zu viel davon in einem einzigen Klärwerk an, geraten dort die chemischen Prozesse durcheinander. Es gibt inzwischen Campingplätze, an denen solche Chemikalien nicht mehr entsorgt werden dürfen.

SOG soll Gerüche verhindern

Manch einer ergänzt seine Chemie-Toilette deshalb mit einem System namens SOG*. Damit soll keine Chemie im Tank mehr nötig sein, weil eine aktive Belüftung und ein Unterdruck dafür sorgen, dass die Gerüche nach außen geleitet werden. Wir haben selbst dieses System nicht getestet und können deshalb nicht sagen, wie gut es ist. Die meisten, die so etwas haben, sind jedoch davon überzeugt und wollen nicht mehr ohne leben. Aber auch sie brauchen natürlich zum Entsorgen eine Entsorgungsstation, weil man nun einmal menschliche Ausscheidungen nicht einfach so in die Natur kippen darf.

Du willst deiner Chemie-Toilette etwas mehr Umweltfreundlichkeit einhauchen? Dann lies unseren Beitrag dazu:

Nach spätestens drei Tagen ist die Chemie-Toilette voll. Dann steht die Fahrt zur nächsten Entsorgungsmöglichkeit an. Ein bisschen hinauszögern kann man sie mit einer zweiten Toiletten-Cassette. Aber: wer will schon einen zweiten schwappenden Fäkal-Behälter an Bord haben?

Trenntoilette: das ist das Funktionsprinzip

Inzwischen ist eine Alternative zur Chemie-Toilette in aller Munde: die Trenntoilette, Trockentoilette oder Komposttoilette. Sie soll dem Camper das ermöglichen, was viele sich so sehnlich wünschen: große Autarkie, also möglichst große Unabhängigkeit von anderen Menschen und technischen Vorrichtungen außerhalb des eigenen Fahrzeugs.

Grob kann man sagen, dass bei der Trockentoilette oder Trenntoilette eben Trockenes von Nassem getrennt wird. Es gibt hier also einen Behälter für Urin und einen für Kot. Und damit jeder Stoff am richtigen Platz landet, haben diese Toiletten in der Regel oben einen Trenneinsatz, der dafür sorgt, dass Festes nach hinten plumpst und Flüssiges nach vorne läuft. Obendrauf ist wie bei anderen Modellen auch eine Klobrille und ein Deckel.

Trenntoilette trennt Festes von Flüssigem

Der Urin wird in der Regel in einer Art Flasche gesammelt, die man im Prinzip überall entleeren darf, wo es keinen stört. Denn Urin – wenn es nicht riesige Mengen sind, ist für die Natur kein Problem. Natürlich kann man den Behälter auch unterwegs in ein „echtes“ WC entsorgen. Laut Angaben der Hersteller dieser Toiletten soll Urin erst dann anfangen schlecht zu riechen, wenn er mit Wasser in Kontakt kommt. Wir haben das bisher nicht prüfen können und glauben es erstmal. Das Entleeren des Urins ist also mit dieser Technik deutlich einfacher möglich als das der Toiletten-Cassette aus der Chemie-Toilette.

Es gibt auch Trenntoiletten mit einem separaten Urinbehälter, der eben nicht in die Toilette integriert ist. Denn gerade dieser Behälter ist relativ schnell voll, wenn zwei Menschen (oder mehr) ausschließlich diese Toilette benutzen. Bei einem Urinkanister zwischen drei und zehn Liter kann man sich ausrechnen, dass eineinhalb bis zwei Liter täglich pro Person schnell zum Überlaufen führen. Wer also nicht ständig darüber nachdenken möchte, wann es Zeit zum Leeren ist, setzt auf eine Lösung mit separatem Urintank. Manch einer montiert ihn so, dass er einfach über einem Entleerungsgulli geöffnet werden kann, ähnlich wie dies beim Grauwasser üblich ist. Ein Beispiel dafür gibt es hier zu sehen.

Eimer und Streu trocknen und entmüffeln

Kommen wir zu den Feststoffen. Unter der hinteren Öffnung des Trenneinsatzes befindet sich ein Eimer mit einem Beutel. Er wird mit Streu bestückt wie man sie aus Kleintierkäfigen oder Katzentoiletten kennt. Diese Streu soll Feuchtigkeit aufsaugen und Gerüche binden. Im Idealfall entsteht hier eine Kombination aus kompostierbarem Beutel, kompostierbarer Streu und – naja – ebenfalls kompostierbarem Inhalt.

All das kann – ihr werdet es ahnen – einfach auf dem Kompost entsorgt werden. Oder eben in einen ganz normalen Mülleimer. Einfach zuknoten und weg damit. Und weil da ja in der Regel keine riesigen Mengen an Feststoffen zusammenkommen, ist das Entsorgen eben nicht so oft nötig wie man es von der Chemietoilette kennt. Eigentlich ganz einfach und ein Schritt in Richtung Autarkie.

Welche Trenntoiletten gibt es?

Wir zeigen euch verschiedene Modelle von Trenn- oder Trockentoiletten, damit ihr das für euch geeignete Modell finden könnt. Gruppiert haben wir das Ganze nach den verschiedenen Arten von alternativen Toiletten. Denn die gibt es von der einfachen Not-Toilette für den Einmal-Gebraucht bis hin zur luxuriösen Variante für über 1.000 Euro.

Not-Toilette ist keine Dauerlösung

Eine Not-Toilette funktioniert sicher mal zwischendurch, ist aber für längere Reisen sicher nicht empfehlenswert. Und als Trenntoilette kann man sie auch nicht bezeichnen, denn hier wird nichts getrennt. Ein Beutel wird in ein Gestell mit Toilettenbrille geklemmt und nach dem Geschäft entsorgt. Für Urin nicht geeignet. Wir erwähnen diese Art der Toilette hier nur der Vollständigkeit halber.

Trenntoilette ohne oder mit Lüfter

Mehr und mehr werden im Internet und auch bei den Camping-Händlern inzwischen die einfachen Trenntoiletten angeboten. Sie haben einen Trenneinsatz und zwei getrennte Behälter für Flüssiges und Festes wie oben beschrieben. Es gibt sie in unterschiedlichen Größen für verschiedene Anwendungen.

Der Trenneinsatz wird bei Bedarf bei Toiletten aus Kunststoff mit verdünntem Essig oder verdünnter Zitronensäure gereinigt. Die Säure verhindert Urinstein- und Ammoniakbildung. Wenn Harnstoff auskristallisiert, kann dieser mit heißem Wasser und Essig entfernt werden. Dafür bereiten sich die meisten Camper eine Sprühflasche vor, mit der sie den Trenneinsatz etwas einsprühen und dann abwischen.

Manche von ihnen gibt es auch in einer Variante mit Lüfter. Das macht sie dann zur Komposttoilette, weil durch das Lüften der Kompostierungsvorgang deutlich verbessert wird. Es gibt Leute, die sagen, dass eine Trenntoilette ohne Lüfter nicht geruchlos ist. Manche gehen sogar so weit, dass sie erklären: Wer eine Trenntoilette ohne Lüfter hat, hat Probleme mit seinem Geruchssinn. Wir möchten das hier nicht kommentieren.

Trelino: formschöne Trenntoiletten aus Kunststoff und Holz

Trelino*: sehr kompakte Trenntoilette für Vans. Foto: meinetrenntoilette.de
Trelino M*, die mittlere Variante der Trelino Serie. Foto: meinetrenntoilette.de
Trelino L*, die größte Trelino. Auch mit Lüfter erhältlich. Foto: meinetrenntoilette.de

Die kleinste unter ihnen ist sicher die Trelino*. Sie ist so klein, dass sie auch für Bulli-Fahrer und sogar Mini-Camper interessant ist. Denn sie misst nur (B/ T/ H) 34,5 / 40,0 / 30,0 cm.

Für Camper mit mehr Platz gibt es die Trelino auch in zwei größeren Ausführungen namens Trelino M * und Trelino L*. Diese Trockentoilette hat die Maße (B / T / H) 32,8 / 39 / 47 cm bei einer Sitzhöhe von 45 cm. In der Variante ohne Lüfter ist sie vollständig mobil und lässt sich auch als Sitzhocker verwenden. Mit Lüfter sollte sie einen festen Platz im Wohnmobil bekommen. Die beiden Trelinos sind keine Discount-Artikel. Die kleine Variante kostet 419 Euro, die mittlere ab ab 599 Euro, die L Variante ab 649 Euro (Stand August 2021).

Trockentoiletten aus Holz: Trobolo

Trobolo IndieBlœm kostet 689 Euro. Foto: Trobolo
Trobolo BilaBlœm kostet 929 Euro. Foto: Trobolo
Trobolo TinyBlœm kostet 1145 Euro. Foto: Trobolo

Die Toiletten von Trobolo sind komplett aus Holz gefertigt. Auch hier gibt es einige Varianten, eine davon ist mobil. Sie heißen IndiBlœm*, BilaBlœm* und TinyBlœm*. Diese Toiletten von Trobolo kosten zwischen 689 Euro und 1145 Euro (Stand Februar 2021). Jeder Camper muss für sich prüfen, welche bei ihm am besten passt. BilaBlœm und TinyBlœm sind auch mit Lüfter erhältlich. Es gibt noch weitere Trenntoiletten und Komponenten von Trobolo, zum Beispiel ein DIY-Set mit oder ohne Abluftsystem und auch einen Trenntoiletten Einsatz mit Sitz und Zubehör. Übrigens: der Name Trobolo kommt von „TrockenBioLokus“.

Aus Metall und Kunststoff: BioToi

Ähnlich aufgebaut wie Trobolo ist die BioToi. Sie ist allerdings zu großen Teilen aus Metall gefertigt. Es gibt eine spezielle Variante für den Ford Nugget mit einem Andock-Modul.

Auch die BioToi gibt es mit oder ohne Lüftung. Die BioToi kostet ab 849 Euro.

Holz-Toilette mit eckigem Formfaktor: Kildwick

Kildwick MiniLoo*. Foto: Kildwick
Kildwick EasyLoo* ohne Lüfter. Foto: Kildwick
Kildwick Easy Loo* mit Lüfter. Foto: Kildwick

Bei Kildwick*setzt man auf speziell gelaserte Holz-Formteile als Basis für die Trenntoilette. Ebenso wie die Trobolo gibt es die Kildwick*Toiletten in verschiedenen Ausführungen und Größen und teilweise mit Lüfter. Die Modelle, die für den Kastenwagen geeignet sind, heißen MiniLoo und EasyLoo. EasyLoo ist auch mit einem Lüfter erhältlich. EasyLoo gibt es ab 299 Euro. MiniLoo gibt es ab 399 Euro (alle Preise Stand Februar 2021).

Separett: Trenntoiletten mit vielen Möglichkeiten

Separett Tiny. Foto: Separett
Separett Tiny*. Foto: meinetrenntoilette.de
Separett Villa. Foto: Separett
Separett Villa*. Foto: meinetrenntoilette.de

Die Tiny von Separett ist sehr platzsparend. Sie hat darüber hinaus einen integrierten Einblickschutz, der sich bei Belastung automatisch öffnet. Sie ist mit einer aktiven Belüftung ausgestattet. Die Separett Tiny* gibt es sowohl mit einem integrierten Urinkanister als auch mit der Möglichkeit, einen externen Urintank zu nutzen. Sie kostet ab 879 Euro. Noch mehr Komfort bietet die Separett Villa*. Sie ist mit einer Schwenkklappe als Einblickschutz ausgerüstet und hat außerdem einen Drehmechanismus für die optimale Füllkapazität. Die Separett Villa gibt es in verschiedenen Ausführungen, die sich nach der Art der Installation richten. Sie kosten um die 700 Euro (Preise: Stand August 2021).

Biolan Simplett: braun-schwarz und mit warmem Sitz

Die Biolan Simplett* Trenntoilette kommt aus Finnland. Und damit hat sie auch etwas, das der Finne im kalten Winter sicher sehr schätzt: eine spezielle Toilettenbrille, die sich wärmer anfühlt als ihre Schwestern aus Holz oder Plastik. Er ist aus einem speziellen Hartschaum, der sich einfach wärmer am Po anfühlt (ich habe das bisher nicht ausprobiert!). Außerdem sticht diese Trockentoilette dadurch hervor, dass sie außen braun-schwarz ist. Man kann sie mit passiver oder aktiver Belüftung betreiben. Es ist ein externer Urinbehälter erforderlich. Sie kostet ab 339 Euro (Stand August 2021).

Biolan Simplett. Foto: Biolan
Biolan Simplett. Foto: Biolan*

Komposttoilette: mit Lüfter und Rührwerk

Die Königsklasse der alternativen Toiletten ist sicher die Komposttoilette. Anders als die anderen Trenntoiletten ist sie nicht nur mit einem Lüfter ausgestattet. Sie hat außerdem ein Rührwerk. Das soll dafür sorgen, dass der Kot in Verbindung mit der eingesetzten Streu besonders gut trocknet und dadurch für möglichst wenig Geruch sorgt. Das Endprodukt dieser Verrottung nennen die Hersteller dann auch Kompost. Und daher kommt auch der Name dieser High-End-Lösung.

Ursprünglich kam sie wohl im Bootsbau zum Einsatz, hat sich dann aber relativ schnell auch bei Campern verbreitet. Die Rührwerke gibt es mit Kurbel, Handrad oder Hebel. Am Ende dienen diese mechanischen Hilfen immer nur dazu, wirklich alles im Inneren des Feststoff-Behälters möglichst gut zu vermischen.

Beim Hersteller Nature’s Head* weist man übrigens darauf hin, dass es sehr wichtig ist, den Abluft-Ausgang mit einem Insekten-Netz zu schützen. Jeder kann sich vorstellen, dass der Inhalt eine Trenntoilette bei Insekten sehr beliebt ist. Den Rest überlasse ich eurer Phantasie…

Nature’s Head: Trenntoiletten der Pioniere aus den USA

Die Trenntoilette von Nature’s Head* ist so eine Art Urgestein der Trenntoiletten. Sie ist mit allen Features einer Komposttoilette ausgestattet: also Trenneinsatz, Urintank, Feststoffbehälter, Lüfter und Rührwerk. Sie ähnelt ein bisschen den Toiletten, die wir aus älteren Häusern kennen. Designer waren hier wohl nicht am Werk, aber Menschen, die es mit der Trenntoilette sehr ernst nehmen. Sie kostet etwa 1.000 Euro (Stand: August 2021).

Es gibt die Trockentoilette von Nature’s Head in verschiedenen Kurbel-Ausführungen, damit sie auch immer an den vorgesehenen Platz passt. Von Nature’s Head gibt es keine mobile Variante.

Habt ihr schon eine Trenntoilette? Dann berichtet doch mal von euren Erfahrungen! Wir sind schon gespannt darauf.

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